Bündnis pro Bildung Baden-Württemberg e.V. Positionsbestimmung 2017

 

Die Entscheidung der grün-roten Landesregierung, unmittelbar nach ihrem Wahlsieg 2011 in Gang gesetzte Reformen zur Optimierung der schulischen Bildung im Land (z.B.  Implementierung des Kooperationsmodell Hauptschule/Werkrealschule und Zweijährige Berufsfachschule) ohne Rücksicht auf die Betroffenen, auf die bereits verbrauchten und veranschlagten finanziellen Mittel sowie ohne Versuch und ohne Evaluation einzustellen, hat im ganzen Land Kopfschütteln und Unverständnis ausgelöst. Als gleichzeitig die „ Neue Gemeinschaftsschule Baden-Württemberg“ mit dem ideologischen Impulsgeber Fratton das bis dahin sehr gut funktionierende Bildungssystem mit seinem differenzierten Schularten und Bildungsgängen im Hau-Ruck-Verfahren ablösen sollte, organisierten engagierte Bürgerinnen und Bürger in Bad Saulgau ein Bürgerbegehren gegen die Einführung der Gemeinschaftsschule in Bad Saulgau, welches den ersten Bürgerentscheid in der Geschichte des Landes Baden-Württemberg  nach sich zog. Ein Blitz-Eisregen und ein inzwischen überholtes Quorum für diese Form der Bürgerbeteiligung sorgten für das knappe Scheitern.

 

Silke Sommer-Hohl hatte sich in Bad Saulgau herausragend engagiert und wurde zur Initiatorin einer landesweit beachteten Initiative für gute schulische Bildung im Land – gegen die bildungspolitische Revolution in Form der Gemeinschaftsschule. Nach einigen Gesprächsrunden war klar: Wir organisieren ein landesweit agierendes Bündnis pro Bildung. Trittbrettfahrer und Organisationen, die dieses neue Bündnis pro Bildung für ihre Zwecke instrumentalisieren wollten (VPM, AfD ….), meldeten sich, machten verdeckt mit, wurden enttarnt und ausgeschlossen.

 

Ein Verein wurde gegründet, eine Satzung erstellt. Das Finanzamt Körperschaften Stuttgart und das Registergericht in Stuttgart bescheinigten die Gemeinnützigkeit und die Gebührenbefreiung. Nur wenige personelle Irritationen erschütterten die Gründungsphase.

 

Grün-Rot und die Landesmedien stempelten das Bündnis pro Bildung schnell als „parteipolitische Vorfeldorganisation der CDU“ ab, ignorierten es und verweigerten sowohl die Durchführung einer Landespressekonferenz als auch eine faire Berichterstattung. Jedoch engagierte und interessierte Eltern aus dem ganzen Land interessierten sich für das BpB ebenso wie die meisten Lehrerverbände in der VBE, VDR, PhV und BBBW, wie CDU und FDP sowie Initiativen i  anderen Bundesländern, die die Bildungsqualität im Schulsystem  höher gewichteten als gemeinsamen Unterricht in extrem heterogenen Klassen an einer IGS ohne Leistungskontrollen, Sitzenbleiben. Übrigens immer mit einer deutlichen Mehrheit in der Bevölkerung im Rücken. Das belegen die gleichzeitigen Abstimmungen in Hamburg, bundesweite Umfragen und Abstimmungen in BW. Knapp 2/3 der Befragten waren jeweils für ein differenziertes Schulsystem mit relativ homogenen Klassen und klarer Zielrichtung: Qualifizierte Schulabschlüsse auf der Basis eines umfassenden Bildungsbegriffs sind eine gute Grundlage für Erfolg in der beruflichen Bildung ( im dualen System oder über die Hochschulen) für umfassende Teilhabe und für ein gelingendes Leben.

 

Das Bündnis pro Bildung wurde aus allen Teilen des Landes mit der Bitte um Informationen, Beratung und Unterstützung angefragt, insbesondere dann, wenn es gegen den Willen von Lehrkräften und Eltern um die Umwandlung einer Realschule in eine Gemeinschaftsschule ging.

 

Mitglieder des Bündnisses informierten, berieten und unterstützen – und halfen so mit, an vielen Standorten gut funktionierende Realschulen und Werkrealschulen/Hauptschulen sowie ein eigenständiges Gymnasium zu erhalten. Ebenso wirkte das Bündnis pro Bildung mit, eine gänzlich einheitliche Lehrerausbildung für die Sekundarstufe I nach Berliner Vorbild zu verhindern. Engagiert wurden Positionen bei der Bildungsplanreform  eingenommen und vertreten. Früh bezog das Bündnis pro Bildung Position für die Einführung der offenen Form der Ganztagsschule und gegen die gebundene Form, verpflichtend an der Gemeinschaftsschule. Alle Kinder und deren Eltern in den Blick nehmend forderte das Bündnis von Anfang an einen fairen Wettbewerb der unterschiedlichen Schularten mit gleicher Ressourcenausstattung für alle Schularten und echter Wahlfreiheit für die Eltern in ihrer Region.

 

Die offene Petition für den Erhalt der Realschule im Land wurde maßgeblich vom Bündnis pro Bildung BW e.V. organisiert. Eine Landespressekonferenz wurde trotz Zusage von Verantwortlichen bisher mit fadenscheinigen Begründungen verhindert. Die Berichterstattung über das Bündnis pro Bildung lässt immer noch viele Wünsche offen. Verantwortungsethisch begründete Positionen haben Hochkunjunktur, auch wenn sie fast ausschließlich postfaktisch agieren.

 

Wo stehen wir heute?

Der Vorstand und die Mitglieder des BpB mit ihren überaus qualifizierten und überaus engagierten Menschen  können heute mit Stolz auf eine erfolgreiche Mitwirkung im politischen Prozess der Meinungs- und Willensbildung sowie des Regierungshandelns zurückblicken.

 

Das differenzierte Schulwesen im Land blieb erhalten, insbesondere die bereits zum Abschuss freigegebenen und  für vogelfrei erklärten Haupt-/Werkrealschulen und die Realschulen. Die Palette des baden-württembergische Schulsystem wurde um die Gemeinschaftsschule erweitert, so dass nun Sekundarstufe I im öffentlichen Schulsystem an Hauptschulen, Werkrealschulen, Realschulen, Gymnasien, Gemeinschaftsschulen, Sonderschulen und beruflichen Schulen in vielfacher Form existieren: Eine Schulart mehr als vor Grün-Rot, keine weniger! Zusätzlich kann eine bunte Vielfalt an Formen der Sekundarstufe I an den privaten Schulen besucht werden. Ende gut!? Alles gut!?

 

Das Bündnis pro Bildung BW e.V. hat seinen Auftrag erfüllt. Es könnte sich wegen seines Erfolges auflösen.

Ende nicht gut. Alles nicht gut. Nationale und internationale Bildungsstudien zeigen, dass die Lernerfolge von Schülerinnen und Schüler in Baden-Württemberg absolut kaum zunehmen und relativ deutlich abnehmen (IQB Bildungsstudie aus dem  Jahr 2017) . Das Land ist im deutschlandweiten Vergleich nicht mehr in der Spitzengruppe, sondern nur noch im Mittelfeld oder auf den hinteren Rängen zu finden. Die Folge: Die Lehrkräfte sind massiv verunsichert, die Eltern verstört, die Schülerinnen und Schüler wissen nicht mehr, „wo es lang geht“, die „Abnehmer, die beruflichen Schulen, die Ausbildungsbetriebe und die Hocheschulen zweifeln die Qualität der Schulabgänger massiv an. Mehr als früher üblich. Eine Besserung ist nicht in Sicht. Deshalb:

 

Fazit:

Ob wir wollen oder nicht, wir müssen uns auch weiterhin einsetzen für eine gute Schulbildung im Land, für eine gute allgemein Bildung, für gute Einstiege in eine berufliche Ausbildung, kurz: für gute Lebenschancen für unsere Kinder und Enkelkinder in unserem Land Baden-Württemberg.