15. Landtag Baden-Württemberg

Ausschuss für Kultus, Jugend und Sport

 

Öffentliche Anhörung

22. Juli 2015, 14:00 Uhr

 

Sehr geehrter Herr  Vorsitzender,

sehr geehrte Damen und Herren Abgeordnete,

sehr geehrte Damen und Herren,

 

für die Einladung zur heutigen Anhörung bedanke ich mich als Vorsitzende des BpB herzlich. Durch den Wegfall der verbindl. Grundschulempfehlung und die damit verbundene Schwächung der WRS u. HS, sind die Realschulen seit 3 Jahren mit einer zunehmend heterogenen Schülerschaft konfrontiert. Im Kultusministerium wurde an der Weiterentwicklung der RS gearbeitet. Die Veröffentlichung jedoch erfolgte deutlich zu spät und der Informationsfluss ließ bei weitem mehr als zu wünschen übrig.  Diese Vorgehensweise verunsicherte Eltern von Viertklasskindern in ihrer Entscheidung immens und schürte zusätzlich Ängste.

 

Der uns vorliegende Gesetzentwurf zur Weiterentwicklung der RS wirft im Bündnis viele fachliche Fragen auf.

 

Beginnen möchte ich mit der

- Orientierungsstufe in Klasse 5/6:

- Wie wird nach der Lernstandserhebung die Einteilung der Niveaus vorgenommen und braucht es für diese Orientierungsstufe tatsächlich 2 Jahre?

- Gibt es hierfür eine pädagogisch-wissenschaftlich fundierte Erkenntnis? Aus unserer Sicht muss eine Versetzungsentscheidung nach Klasse 5 erfolgen.

 

Da zwischen Klasse 5 und 6 kein Sitzenbleiben vorgesehen ist, ergeben sich folgende Fragen:

- Wie werden die Lehrer in Form von Fortbildungen, beim Erlernen der notwendigen Frühdiagnostik unterstützt, auch in Bezug auf Schüler, bei denen sich bereits in Klasse 5 deutlich abzeichnet, dass sie nicht einmal das G-Niveau in ausreichendem Maß erfüllen?

- Welche Zusatzstunden sind für die sonderpädagogische Förderung und die adäquate Beratung der Eltern eingeplant, wenn der Förderbedarf bei Anmeldung nicht bekanntgegeben wurde, sich aber in der Orientierungsphase herausstellt?

 

Durch die „geplante Niveaustufenfestlegung nach Klasse 6 bedeutet dies offensichtlich eine „verbindliche Bildungsempfehlung“.

 

Wird hier etwa die vermarktet Wahlfreiheit der Eltern ausgehebelt?

 

2. Nun zu Klassestufe 7/8

 Vorweg, wo wird die Pubertät von Jugendlichen in der Gesetzesvorlage berücksichtigt, da in diesem Alter die Nullbock Mentalität vorherrscht.

- Es erschließt sich uns nicht, wie der Unterricht nach Niveaueinteilung in Klasse 7 und 8  erfolgen soll?

- Wie lange bleiben Schüler auf einem Niveau?

- Wann können sie wechseln?

- Wer entscheidet über den Wechsel?

Fazit: Hier muss dringend ins Gesetz „ Die Klassenkonferenz entscheidet jährlich!“ Dies muss auch für Klassenstufe 7/8 gelten!

 

- Welche Voraussetzungen müssen Schüler erfüllen zum Erwerb der Mittleren Reife, wenn sie an der „Realschule neu“ die Hauptschulprüfung am Ende von Klasse 9 abgelegt und bestanden haben?

- Finden wir die hierfür relevanten Antworten im neuen Bildungsplan? (nein)

 

- Wie wird sichergestellt, dass auch kleine Realschulen eigene G-Niveau-Klassen bilden können, wenn eine „unzureichende Schülerzahl“ vorhanden ist.

 

3. Nächster Punkt Thema Ressourcen

- Ist die Absenkung des Klassenteilers auf 28 vorgesehen und ab wann?

- Welche zusätzlichen bzw. welche Erhöhung der Sachkostenbeiträge sind geplant und wenn ja, wie hoch und für wann?

Wir fordern die Überführung der kompletten Ergänzungsstunden in die Kontingentstundentafeln, damit jene dann zweckgebunden sind

Es muss dringend die Gleichstellung aller Schularten erfolgen!

 

4. Durchlässigkeit des Schulsystems

Das bis dato hohe Niveau der mittleren Reife muss erhalten bleiben!

Ich darf an Herrn Kultusminister Stochs eigene Worte erinnern, dass nicht nur die Förderung der Schwachen Ziel unseres Schulsystems sein muss, sondern eben oder gerade auch die leistungsstärkeren Schüler angemessen zu fördern. Das Bündnis pro Bildung sieht in dieser Gesetzesvorlage eine „Chancenverwehrung“ leistungsstarker Schüler.

In den letzten Jahrzehnten gewährleistete  vor allem das hohe Niveau der Realschule die hervorragende Durchlässigkeit unseres Bildungssystems.

Wir müssen daher den Realschulen die unbedingte Garantie aussprechen ihr eigenständiges, pädagogisches, didaktisches und methodisches Profil  uneingeschränkt weiterzuentwickeln.

 

5. Wie ist Vorort die Unterstützung der Lehrerkollegien / Schulleiter

 

- Gibt es bereits belastbare Vor-Ort-Erkenntnisse zu Fortbildungen in Bezug auf den neuen Bildungsplan und jeglicher Art von Unterrichtsausfällen?

Wir fordern für die Zukunft ausreichende Deputate an den Realschulen, sowie die Festlegung der regionalen KV Pools.

Wir bedauern, dass es offensichtlich massivste Probleme gibt ausgeschriebene Schulleiterstellen zu besetzen.

 

- Die Gesetzesvorlage ist in vielen Punkten, aus Sicht des Kindes und Jugendlichen, VORBEI GEDACHT!

- Des Weiteren erweckt die schöne Umschreibung  „Weiterentwicklung der Realschule“  diese Schulart eliminieren zu wollen.

 

Was wir bis heute vermissen, meine sehr verehrten Damen und Herren, sind doch tatsächlich die mit Spannung erwarteten Ergebnisse der DVA Arbeiten der Gemeinschaftsschulen und der damit verbundenen von Ihnen beworbenen Transparenz.

 

Herzlichen Dank für Ihre Aufmerksamkeit