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Pressemitteilungen

Pressemitteilung 09/2014

Sollen Realschulen zu GMS light mutieren?

Kultusminister Stoch hat nun endlich erkannt, dass die Realschulen dringend Unterstützung beim Umgang mit der hohen Heterogenität ihrer Schülerschaft braucht - und das, nachdem die Verbindlichkeit der Grundschulempfehlung abgeschafft wurde und die Zuzüge von Schüler/innen aus dem südosteuropäischen, und dem arabischen Raum zunehmen.

500 zusätzliche Lehrerstellen sollen die Schüler/innen an den Realschulen unterstützen. Das ist grundsätzlich erst einmal ein löblicher Ansatz.
Betrachtet man sich aber Stochs vorgelegtes Konzept genauer, ist deutlich zu erkennen, dass nun die „Gemeinschaftsschule“ an den Realschulen als trojanisches Pferd platziert werden soll.

In den Klassenstufen 5 und 6 sollen alle Schüler/innen - außer denen an den Gymnasien - gemeinsam im Klassenverband unterrichtet werden. Am Ende der 6. Klasse soll dann eine verbindliche Entscheidung getroffen werden, ob der/die Schüler/in künftig nach einem (G)rundniveau oder nach dem (M)ittleren Niveau weiter unterrichtet werden soll.

Diese Eingangsklassenstufen würden bei dieser noch nicht einmal halbherzigen Korrektur, zu einer zweijährigen Hängepartie für gute und mittlere Realschüler/innen verkommen.

Dazu kommt noch:
Wer trifft diese Entscheidung?
Sind das Eltern, die nach Beratungsgesprächen, wie in Klasse 4, entscheiden oder sind das die betreuenden Lehrkräfte?
Rechnet man die zusätzlichen 500 Lehrerdeputate auf die 420 staatlichen Realschulen um, so erhält jede RS statistisch gesehen ungefähr 1,2 Lehrkräfte mehr - das sind in Lehrerwochenstunden umgerechnet, ca. 32 Stunden mehr pro Schule, also ungefähr eine Stunde mehr pro Klasse/Woche. Dies reicht nicht einmal ansatzweise aus!

Dies ist aber nur eine von den vielen Fragen, die sich aus dem vorgelegten Konzept des Kultusministers ergeben.

Es entsteht „die Bildungs(un)gerechtigkeit“ schlechthin, welche durch das Projekt GMS eigentlich behoben werden soll!

Wenn es den Realschulen nun gestattet wird auch den Hauptschulabschluss anzubieten, dann verstärkt dies zusätzlich das schnelle Sterben der Haupt-und Werkrealschulen, wodurch ein zielgerichteter Unterricht für die schwächeren Schüler immer schwieriger werden wird.

Das Bündnis-pro-Bildung BW e.V. kann sich des Eindrucks nicht erwehren, dass die Landesregierung durch diese Zuckerbrot-Taktik dennoch nicht von ihrem Lieblingsprojekt GMS abrückt. Es bleiben zu viele offene Fragen, so dass sich keine Zufriedenheit mit dieser Form von Einsicht einstellen kann.

Silke Sommer-Hohl

Bündnis-pro-Bildung BW e.V.