Stellungnahme des Bündnis pro Bildung zum Schülermangel an den Gemeinschaftsschulen

Leinfelden-Echterdingen, 18.3.2018

 

Nach den Meldungen der letzten Monate zur nicht mehr zu leugnenden Krise der Gemeinschaftsschulen schließt sich nun der Kreis. Die Schließung der ersten Gemeinschaftsschulen im Land aufgrund niedriger Anmeldezahlen steht an. Für jeden, der die Meldungen zur Gemeinschaftsschule in den letzten Jahren wie auch Monaten verfolgt hat, war diese Entwicklung zu erwarten. Und es geht nicht nur um die mangelnde Akzeptanz der Gemeinschaftsschule bei den Eltern, die ihre Kinder für das nächste Schuljahr an einer weiterführenden Schule anmelden wollen. Einher damit geht die dramatische Entwicklung, dass aufgrund der fehlenden Schüler mit Realschul- und Gymnasialempfehlung in den GMS noch nicht einmal mehr zehnte Klassen gebildet werden können, da zum Großteil nur noch der Hauptschulabschluss angestrebt wird!

 

Mittlerweile spricht sogar der Städtetag davon, dass die Prognosen für die Entwicklung der GMS viel zu optimistisch waren. Es ist nun offensichtlich, dass die Einführung der Gemeinschaftsschule vor fünf Jahren vor allem mit einer großen Portion Ideologie unterfüttert war. Kritische Stimmen, die von Anfang an das überfrachtete Konstrukt der GMS kritisierten, wurden nicht gehört oder als „rückwärtsgewandt“ bezeichnet. Noch nicht einmal auf Prof. Bohl aus Tübingen, dem wissenschaftlichen Begleiter der GMS, wurde gehört. In einem Interview aus dem Dezember 2012 in der Zeitung „Bildung und Wissenschaft“ warnt Prof. Bohl ausdrücklich vor einer übereilten Einführung, er sprach von „Zyklen bis zu 5 Jahren für derart komplexe Veränderungen“. Dass dann jede offenkundige negative Entwicklung der GMS schön geredet wurde bzw. Kritiker verunglimpft wurden, rächt sich nun. Zurückgehende Schülerzahlen an den GMS in den letzten Jahren, eine dramatisch zurückgehende Klientel an Schülern mit Gymnasial- und Realschulempfehlung, kaum Gymnasiallehrer an den GMS sowie ein Viertel an Schülern der GMS, die bei den Vergleichsarbeiten 2017 nicht einmal die Mindestanforderungen in Deutsch oder Mathematik erreichten! An Warnmeldungen zum Gelingen einer GMS mangelte es wahrlich nicht.

 

Kaum zu glauben sind in diesem Zusammenhang die aktuellen Aussagen des Ministerpräsidenten Kretschmann, der doch tatsächlich davon spricht, dass es nach fünf Jahren noch „ruckeln“ darf. Mit Verlaub, Herr Ministerpräsident, mit „ruckeln“ ist diese Krise der GMS nicht mehr schön zu reden. Und es darf nicht vergessen werden, dass in den 5 Jahren GMS tausende von Kindern Schüler von GMS geworden sind, die dieses „Ruckeln“ täglich erleben und die Leidtragenden dieses überfrachteten Schulprojekts sind.

 

Das nun der Verein für Gemeinschaftsschule wie auch der Städtetag der Kultusministerin Eisenmann die Schuld an der nun offiziell konstatierten Krise der GMS geben will, ist nur als verzweifelter Versuch zu werten, weiterhin in alten Mustern die Fakten zu leugnen und Schuldige außerhalb der eigenen Reihen zu suchen. Herr Wagner- Uhl vom Verein für GMS sollte sich lieber fragen, warum er die Schulart GMS weiterhin als die „Leistungsstärkste“ bezeichnet. Bewiesen hat es die GMS in den letzten 5 Jahren trotz der großzügigen finanziellen und personellen Ausstattung sowie dem niedrigen Klassenteiler bisher nicht. Die Fakten sprechen eine andere Sprache. Leistungsstark ist und war vor allem ein differenziertes Schulsystem. Die Eltern in Baden-Württemberg zeigen nun, dass sie genau das für Ihre Kinder wollen.